Parabens, seleção!

Portugal ist Europameister 2016 - Die Seleção besiegt Gastgeber Frankreich in der Verlängerung mit 1:0
Dienstag, 12 Juli 2016 | Sport

Selten haben wir bei einem Fußballspiel mit „unserer“ Mannschaft so mitgelitten, mit gezittert und uns am Ende mit gefreut wie bei diesem denkwürdigen Finale der UEFA 2016 in Paris. Wer hätte erwartet, dass die Portugiesen nach dem frühen Ausfall von Cristiano Ronaldo es schaffen würden, den hoch favorisierten Franzosen Paroli zu bieten und den allerersten Titel bei einem großen Fußballturnier zu erkämpfen!

Die Franzosen begannen wie gegen Deutschland mit großem Tempo und setzten Portugal  von Anfang an unter Druck. Schon nach acht Minuten wurde Ronaldo von Dimitri Payet rüde umgerannt und blieb verletzt liegen. Schiedsrichter Mark Clattenburg war diese brutale Attacke nicht einmal einen Freistoß wert. So hatte Frankreichs Trainer Didier Dechamps es hoffentlich nicht gemeint, als er vor dem Spiel forderte, man müsse Ronaldo aus dem Spiel nehmen. Denn so kam es in der 25. Minute - CR7 musste auf der Bahre unter Tränen vom Platz getragen werden, nachdem er vergeblich versucht hatte, seinem Team trotz Schmerzen zu helfen. Für ihn kam Quaresma, und die sichtlich geschockten Portugiesen konnten das Unentschieden in die Halbzeit retten.

In der Pause hatte die Seleção sich offenbar wieder aufgerichtet und fightete entschlossen für ihren verletzten Kapitän. In der ebenfalls torlosen zweiten Halbzeit, bei der Rui Patricio sich als großartiger Schlussmann erwies, kam zunächst Mutinho für Adrian Silva und wenig später Éder für Renato Sanchez. Die größte Chance hatten dennoch die Franzosen, bei denen der für Giroud eingewechselte Gignac unmittelbar vor dem Abpfiff nur den Pfosten traf. In der Verlängerung erwies sich dann Portugals Team  als frischer und aktiver. Cristiano Ronaldo kam mit bandagiertem Knie auf die Bank, um sein Team ein ums andere Mal anzufeuern und an der Seite von Santos zu coachen, und in der 109. Minute kannte der Jubel keine Grenzen mehr, als Éder mit einem gewaltigen Schuss von der Strafraumgrenze Torwart Lloris bezwang. Kurz zuvor hatte ein Freistoß von Raphael Guerreiro nach einem Handspiel nur die Oberkannte der Latte gestreift. Das Spiel war entschieden, denn die Franzosen fanden gegen aufopfernd kämpfende Portugiesen kein Mittel mehr, um den Ausgleich noch zu erzwingen.

Wer wie wir vor 12 Jahren miterlebt hatte, wie sehr die Niederlage  gegen Griechenland  im Endspiel der Europameisterschaft 2004 im eigenen Land ganz Portugal geschmerzt hatte, kann die Freude ermessen, mit der das Team um Cristiano Ronaldo jetzt diesen historischen Sieg feierte. Als Trainer Fernando die Nationalmannschaft im Jahre 2014 übernahm, hatte Portugal sein erstes Spiel in der Qualifikation für die Euro 2016 gerade mit 0:1 gegen Albanien zu Hause verloren. Seitdem ist die Seleção in Pflichtspielen ungeschlagen geblieben, musste sich allerdings wegen ihrer defensiven Taktik viel Kritik anhören, ausgerechnet aus Deutschland, wo die Meinung herrscht, „Die Mannschaft“ sei die beste des Turniers gewesen und habe nur durch tragische Ausfälle seiner unersetzlichen Weltklassekicker ungerechter Weise verloren. Da passt es natürlich nicht ins Bild, dass Portugal auch ohne Superstar Ronaldo ein Tor gegen Frankreich erzielen konnte, was dem „genialen Özil“ (Zitat Tom Bartels und Co.) und seinen Mitspielern nicht gelingen wollte.

Wir freuen uns mit den Menschen unserer zweiten Heimat Portugal über den hier als historisch empfundenen Sieg und gratulieren dem Team um Kapitän Ronaldo, den "Man of the Match" des Endspiels, Pepe, und den Schützen des Siegestores, Éder - Parabens, Seleção!

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